Was und wer steckt hinter dem Projekt?

Mein Name ist Joerg Drescher. Geboren bin ich in den 1970er Jahren zwischen Ulm und Bodensee in Deutschland. Da meine Familie väterlicherseits aus dem Sudetendeutschland stammte und durch Flucht und Vertreibung ins Schwabenland kam, fühlte ich mich dort nicht verwurzelt und fremdelte mit meiner Umgebung. Deshalb verlagerte ich ab 2003 meinen Lebensmittelpunkt immer stärker nach Kyjiw in die Ukraine, wo ich letztlich eine neue Heimat fand.

Die Idee zu dem Projekt kam mir bereits Anfang der 1990er Jahre. Im Mittelpunkt stand das Wort „iovialis“, über das ich damals zufällig stolperte. Damals wollte ich seine tiefere Bedeutung verstehen und recherchierte. Dabei fand ich zunächst heraus, dass das Wort aus dem Lateinischen stammt und im Deutschen mit dem Adjektiv „jovial“ verbunden ist. Die Umschreibungen durch Synonyme wie heiter, fröhlich, freundlich, großzügig, wohlwollend, familiär, entgegenkommend, nett, gnädig und leutselig, vertrat ich sehr gerne, weniger dafür, dass dies oftmals in einer gönnerhaften und herablassenden Art gemeint ist.

Doch das Wort durchlief eine Entwicklungsgeschichte. Sein Ursprung geht auf den römischen Gott Jupiter (iove) zurück und „iovialis“ heißt eigentlich „zu Jupiter gehörend“. Gemeint sind deshalb die diesem Gott zugesprochenen Eigenschaften. Im Mittelalter wurden diese solchen Menschen zugeschrieben, die nach astrologischen Vorstellungen unter dem Planeten Jupiter geboren waren. Dabei ging allerdings eine Eigenschaft verloren, die Jupiter ebenfalls zugeschrieben wurde:

Jupiter verkörperte Macht, Autorität und Großzügigkeit und war Beschützer von Gesetz und Ordnung. Als Himmels- und Wettergott wurde er oft mit Blitz und Donner in Verbindung gebracht, wodurch er auch als Symbol für Stärke und Gerechtigkeit galt. Zudem glaubte man im alten Rom, dass Jupiter diejenigen bestrafen würde, die ihre Eide brachen, insbesondere mit Blitz und Donner – seiner mächtigen Waffe. Dies unterstrich seine Rolle als Beschützer von Wahrheit und moralischem Verhalten.

1994 entnahm ich aus dem Buch „Demokratie am Wendepunkt – Die demokratische Frage als Projekt des 21. Jahrhunderts“, das als Sammelband von Werner Weidenfeld herausgegeben wurde, für mich eine Aufgabe. Yehezkel Dror empfahl nämlich in seinem Beitrag, mittels hochqualifizierter, multidisziplinär ausgebildeter und erfahrener Forscher, eine demokratische politische Philosophie zu entwickeln, die sich mit globaler Gleichheit und globaler Herrschaft beschäftigt.

Seither habe ich mich in verschiedenen Phasen immer wieder mit Geisteswissenschaften beschäftigt, insbesondere mit Geschichte, Philosophie, Theologie, Rechts- und Staatstheorie, Soziologie, Psychologie, Literatur- und Sprachwissenschaft. Geholfen hat mir dabei mein Interesse an Mathematik (insbesondere Zahlentheorie), Grundlagenphysik (Relativitäts- und Quantentheorie), aber auch Volks- und Betriebswirtschaft.

Noch vor dem Buch von Weidenfeld stieß ich bei Jean-Paul Sartre den Begriff „Projekt“. Er verstand ihn im Rahmen seiner existenzialistischen Philosophie als Ausdruck menschlicher Freiheit und Selbstgestaltung. Ein „Projekt“ beschreibt nach seiner Vorstellung die bewusste Ausrichtung des Individuums auf Ziele, Werte und Handlungen, die es selbst wählt, um seinem Leben Bedeutung zu geben.

Damit hatte ich den Grundbaustein zur Entwicklung einer eigenständigen, aber offenen Philosophie, die ich „Projekt Jovialismus“ nannte, mit dem Ziel, eine wie von Dror vorgeschlagene globale demokratische Philosophie zu entwickeln.

Doch leider ist heute mit „Jovialismus“ eher eine Überbetonung oder das übertriebene Hervorheben von heiterer, freundlicher und geselliger Art gemeint, samt der Neigung zu Oberflächlichkeit. Es beschreibt eine Haltung oder einen Charakterzug, bei dem die joviale, fröhliche Art so stark im Vordergrund steht, dass sie manchmal als nicht ganz authentisch oder sogar als aufdringlich empfunden werden kann. Menschen, die „Jovialität“ ausstrahlen, könnten als überschwänglich freundlich oder übermäßig gut gelaunt wirken, oft mit dem Ziel, Konflikte zu vermeiden oder sich beliebt zu machen.

Um dieser Bedeutungsmacht zu entgehen, spreche ich deshalb nur noch von einem „Projekt“ im Sinne von Sartre. Außerdem entfällt damit das Suffix „-ismus“, was gerne mit Ideologien in Verbindung gebracht wird, die in der Geschichte mehr Unheil angerichtet als den Menschen weitergebracht haben.

Doch statt nicht gänzlich die ursprüngliche Grundlage des Projekts wegzulassen, benutze ich stattdessen die Bedeutung von „iovialis“ als Bezugspunkt – also die Gesamtheit der dem römischen Gott Jupiter zugeschriebenen Eigenschaften.

Durch den Krieg in der Ukraine und wegen der globalen politischen Lage, entschied ich mich, mit dem Projekt an die Öffentlichkeit zu gehen. Bestärkt wurde ich darin, als ich von der „Dunklen Aufklärung“ und dem „Projekt 2025“ hörte. Schon länger beobachte ich das Erstarken der „Neuen Rechten“ in Europa und auf der Welt. Mein Projekt ist aus meiner Sicht eine Möglichkeit, diesen Entwicklungen etwas entgegenzusetzen.

Ich weiß, dass ich keine direkten Lösungen anbiete, doch genau darin liegt der Kerngedanke des Projekts: eine authentische Herangehensweise mit dem Mut, sich Konflikten zu stellen, ganz im Sinne einer Demokratie. Es geht nicht um Oberflächlichkeit oder eine Haltung von oben herab, wie sie heute oft mit dem Begriff „Jovialismus“ verbunden wird. Stattdessen steht die Idee im Mittelpunkt, Problemstellungen unter Einbeziehung aller Beteiligten (im Bestfall die Menschheit als Ganzes gedacht) anzugehen, um neue Lösungsansätze zu finden.

Deshalb lade ich dazu ein, sich mit den Gedanken hinter dem Projekt vertraut zu machen und möglicherweise eine neue Perspektive auf vermeintliche Probleme zu gewinnen, die nur aufgrund eines anderen Blickwinkels als schwer lösbar erscheinen.

Ich wünsche viel Freude beim Erkunden dieser Gedankenwelt!