1 Der Mensch im Sinne des Projekts
Der Mensch steht im Zentrum des Projektsdenkens. Nicht als abstrakte Idee, sondern als konkretes, empfindendes, denkendes und handelndes Wesen. Das Projekt geht davon aus, dass der Mensch weder nur Triebwesen noch reines Vernunftwesen ist. Er ist beides – und mehr: ein freies Wesen, das sich selbst entwerfen kann.
Würde ist keine Eigenschaft, die man sich verdienen muss. Sie ist auch keine Auszeichnung, die vom Staat oder der Gesellschaft verliehen wird. Würde ist voraussetzungslos und universell. Sie ist das, was jeder Mensch von Geburt an mit sich bringt, was nicht genommen werden kann, aber sehr wohl verletzt werden kann.
Der Mensch ist aber nicht nur Einzelwesen. Er ist auch ein soziales Wesen. Er braucht Beziehung, Resonanz, Begegnung. Deshalb ist er auf eine Gesellschaft angewiesen, die ihn nicht nur duldet, sondern anerkennt. Eine Gesellschaft, in der er sich zeigen, sprechen, widersprechen, gestalten und auch verweigern darf.
Aus diesem Menschenbild ergibt sich eine Ethik der Augenhöhe: Kein Mensch darf für einen anderen Mittel zum Zweck sein. Jeder Mensch ist Zweck an sich. Dieses Prinzip zieht sich durch alle Bereiche des Projektdenkens: Es betrifft das Recht, die Politik, die Wirtschaft, die Bildung und sogar das Verständnis von Arbeit und Eigentum.
Das Projekts nimmt den Menschen ernst. Nicht als Problem, das gelöst werden muss, sondern als Subjekt, das sich entfalten will. Er fragt nicht: Was muss der Mensch leisten, um etwas wert zu sein? Sondern: Was braucht der Mensch, um frei und verantwortlich leben zu können?
Der Mensch im Sinne des Projekts ist nicht perfekt. Aber er ist möglich.