Grundlagen

6 Sprache und Wahrheit im Sinne des Projekts

Sprache ist im Sinne des Projekts nicht nur Mittel zur Kommunikation, sondern Träger von Wirklichkeit. Wie wir sprechen, prägt, was wir denken – und was wir denken, prägt, wie wir handeln. Deshalb ist Sprache niemals neutral. Sie ist immer auch Ausdruck eines Menschenbildes, einer Machtstruktur, einer Weltsicht.

Das Projekt fordert eine Sprache, die der Würde des Menschen gerecht wird. Keine Verwaltungssprache, keine Propagandasprache, keine leere Formelhaftigkeit. Sondern eine Sprache, die meint, was sie sagt, und sagt, was sie meint.

Wahrheit im Sinne des Projekts ist keine absolute Größe, aber auch kein beliebiges Konstrukt. Sie entsteht im offenen Dialog, im Ringen um Verstehen, im Bemühen um Redlichkeit. Wahrheit ist das, was sich verantworten lässt – nicht das, was sich durchsetzt.

Manipulative Sprache, Ideologisierung von Begriffen oder bewusste Unklarheit sind Formen struktureller Gewalt. Sprachgebrauch zielt auf Verständlichkeit, Differenzierung und Integrität. Es geht nicht darum, recht zu behalten, sondern darum, der Wirklichkeit gerecht zu werden.

Wer die Freiheit des Menschen will, muss auch seine Sprache ernst nehmen. Denn eine befreiende Ordnung kann nicht auf einer Sprache gründen, die verdunkelt, verfremdet oder verwirrt. Sprache ist der erste Ort des Politischen – und damit auch der erste Ort der Verantwortung.