Sterbehilfe und Freitod im Sinne des Projekts
Die Frage nach Sterbehilfe und Freitod berührt den Kern dessen, was Menschsein bedeutet: Freiheit, Würde, Leid, Verantwortung. Das Projekt sieht in dieser Frage keinen dogmatischen Gegensatz zwischen Leben und Tod, sondern eine Einladung zum achtsamen Denken. Das Leben ist ein Geschenk, aber kein Zwang. Der Tod ist eine Grenze, aber nicht immer ein Feind.
Im Zentrum des Projektgedankens steht die Autonomie des Menschen: die Freiheit, das eigene Leben zu gestalten – und, im Ausnahmefall, es auch bewusst zu beenden. Diese Freiheit ist keine Beliebigkeit. Sie ist gebunden an Selbstverantwortung, an Dialog, an Würde. Sterbehilfe ist in diesem Sinne kein Akt der Verneinung des Lebens, sondern der Bejahung des Selbst.
Das Projekt erkennt an, dass es Situationen geben kann, in denen das Weiterleben für den Einzelnen unzumutbar wird: unerträgliches Leid, unheilbare Krankheit, vollständiger Verlust der Selbstbestimmung. In solchen Fällen kann der Wunsch zu sterben Ausdruck tiefster Menschlichkeit sein. Wer in dieser Lage Hilfe leistet, handelt nicht aus Kälte, sondern aus Mitgefühl. Es ist ein Dienst an der Würde des anderen.
Gleichzeitig mahnt das Projekt zur Vorsicht: Sterbehilfe darf nie zur Normalität, nie zum gesellschaftlichen Druckmittel werden. Jeder Akt der Lebensbeendigung muss getragen sein von Transparenz, Schutz, Reife und innerer Klarheit. Die Gesellschaft ist aufgerufen, Menschen im Leid nicht nur Wege zum Tod zu zeigen, sondern vor allem Wege zur Hoffnung, zur Linderung, zur Beziehung.
Der humane Umgang mit Sterben und Tod ist weder romantisierend noch zynisch. Er ist getragen von dem Vertrauen, dass echte Menschlichkeit sich nicht nur im Leben, sondern auch im Abschied zeigen kann. Der Freitod ist in diesem Licht kein Fluchtweg, sondern eine mögliche Form des letzten Selbst-Ausdrucks – vorausgesetzt, er ist frei, bewusst und von Mitmenschlichkeit begleitet.